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<wml xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head><meta http-equiv="Content-Type" content="text/vnd.wap.wml;charset=ISO-8859-1"/></head><card id="main" title="KAYWA"><p><big>finanzblog</big><br/>Finanzen, Verm&#xF6;gen, Geld, Beratung<br/></p><p><small>27.12.2007,&#xA0;13:29</small><br/><b><a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/p820.html">&#xAB;Adventskalender mit 27 Fenstern&#xBB;</a></b></p><p>Mit echten 27 Fenstern ist der Adventskalender von swissblogpress abgeschlossen - wir danken allen, die mitgeholfen und mitgelesen haben. Beim Thema &#xAB;moderne Kommunikation&#xBB; und bei &#xAB;erneuerbare Energie und Energieeffizienz&#xBB; werden neue Erkenntnisse kommen, aber ich denke, ich weiss wohin der politische Trend gehen d&#xFC;rfte. Es geht um sehr viel Geld, aber einige Probleme sind immer noch nicht gel&#xF6;st ...<br/>
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... so ist nicht klar, ab sie die Nussschalen, die der Weihnachtsmann gebracht hat, im Chemin&#xE9;e verbrennen d&#xFC;rfen, weil diese keine drei Jahre trocken gelagert wurden. Und Energiesparlampen k&#xF6;nnen wir immer noch keine kaufen, wenn es um die Backofenbeleuchtung oder die K&#xFC;hlschrankbeleuchtung geht. <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/p709.html">Osram Schweiz</a> sucht seit drei Monaten den Fehler und den <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/p816.html">Staatsmann Leuenberger</a> konnten wir f&#xFC;r ein Interview gewinnen. Im gleichen Beitrag kommt Muslim Yahya aus Pakistan zu Wort - ein Erz&#xE4;hler besonderer Gnade. Am 22. Dezember sind in der Bernerzeitung zwei Artikel erschienen, die wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion wieder geben d&#xFC;rfen. Der zweite, Pfarrer Kurt Marti - &#xAB;Ich weiss nicht, was Gott vorhat&#xBB; - stammt namensm&#xE4;ssig nicht nur vom <a href="http://libref.kaywa.ch/mobile/p62.html">Kriegsgott Mars sondern auch vom Gott der Vegetation und des Fr&#xFC;hlings</a> ab. Ein echt erspriessender Beitrag. Der Name ist nur zuf&#xE4;lliger weise gleich und das Personalblog stellt gleich noch eine <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/p819.html">Analyse meines Vornamens</a> ins Netz. Ich w&#xFC;nsche Euch eine besinnliche Nachweihnachtszeit.<br/>
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&#xAB;Mein Gl&#xFC;ck im Land am Abgrund&#xBB;<br/>
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Der Schweizer Muslim <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/exturl/http/www.espace.ch/artikel_462111.html">Yahya Hassan Bajwa</a> verbringt Weihnachten in seinem Heimatland Pakistan. Er erf&#xE4;hrt zwischen der verschonten Schweiz und dem fragilen Leben im asiatischen Staat eine besondere Magie.<br/>
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&#xAB;Wer ich bin, wollen Sie wissen? Gute Frage! Ich bin seit 7000 Jahren Inder, seit 60 Jahren Pakistaner, seit 23 Jahren Schweizer. So verwandelt die kulturelle und historische Entwicklung unsere Wurzeln. Ich bin vor 47 Jahren auf indischem Boden zur Welt gekommen, der allerdings seit 1947, als Britisch-Indien zur Republik Pakistan wurde, pakistanisch ist. Als ich zweij&#xE4;hrig war, kam ich mit meinen Eltern in die Schweiz. Seit 1984 bin ich auch Schweizer Staatsb&#xFC;rger.<br/>
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Mein Vater war der erste Imam der ersten Moschee in der Schweiz. Die Ahmadiyya-Moschee in Z&#xFC;rich wurde das Heim meiner Kindheit. Ich erlebte einen Islam ohne Ber&#xFC;hrungs&#xE4;ngste und Abgrenzung. In der Moschee meines Vaters sah ich Christen beten, und manchmal sass einer im Schneidersitz auf dem Boden. Sp&#xE4;ter, als ich mehr &#xFC;ber Religionen wusste, wurde mir klar, dass das Buddhisten waren, die in der Moschee meditierten. Sie war ein offenes Haus der Religionen.<br/>
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Von Illusion zu Vision<br/>
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Ich war 14 und studierte am internationalen Institut Montana auf dem Zugerberg, als ich auf einem Papier festhielt, was ich werden wollte: Ich will mich f&#xFC;r die &#xE4;rmsten Menschen dieser Welt einsetzen, schrieb ich voller jugendlicher Illusionen auf das Blatt. Aber der Satz wurde zur Vision f&#xFC;r mein Leben. Heute tue ich genau das. 2001 gr&#xFC;ndete ich den Verein &#xAB;LivingEducation&#xBB;, und seither baue ich mit eigenem und dem Geld von Spenden in Pakistan verschiedene Hilfsprojekte auf &#x2013; ein M&#xE4;dchen- und Knabeninternat, Kinderg&#xE4;rten, Computerschulen, Frauen-Beratungsstellen, Gesundheitsprojekte.<br/>
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Mein Leben besteht aus Pendeln zwischen der verschonten Welt in der Schweiz, wo ich als Dozent und Dolmetscher arbeite, und der fragilen Realit&#xE4;t von Pakistan, das seit 30 Jahren von Diktatur und islamischem Fundamentalismus gepr&#xE4;gt ist. Ich verbringe je etwa die H&#xE4;lfte des Jahres in der Schweiz und in Pakistan. Im Moment befinde ich mich in der kleinen Vorstadt Bhara Khau etwa 30 Minuten von Islamabad entfernt.<br/>
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Weihnachten verbringe ich in Pakistan. In meinem Dorf Paran, in der N&#xE4;he von Faisalabad, wo ich B&#xFC;rgermeister bin, leben auch christliche Familien, die nat&#xFC;rlich Weihnachten zelebrieren &#x2013; genau wie die anderen christlichen Feiertage sowie die Sonntagsgottesdienste. Mit den Freiwilligen aus der Schweiz, die in meinen Projekten arbeiten, besuche ich meistens die Kirche, und immer kommt die christliche Gemeinde dann spontan zusammen. Man liest auf Urdu einen Psalm aus der Bibel oder spricht gemeinsam ein Gebet. Die Pakistani staunen aber oft, wie wenig die Besucher aus der Schweiz &#xFC;ber das Christentum wissen.<br/>
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Ausnahmezustand?<br/>
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Selbstverst&#xE4;ndlich werde ich in Pakistan auch die Wahlen genau beobachten, die am 8.Januar stattfinden. In der Schweiz wird Pakistan als Land im latenten Ausnahmezustand wahrgenommen, als Land auch, in dem man als Westler und Christ an Leib und Leben gef&#xE4;hrdet ist. Ich muss sagen: Ich war im November in Pakistan, als Staatspr&#xE4;sident Pervez Musharraf den Ausnahmezustand verh&#xE4;ngt hatte. Davon erfahren habe ich in unserem Dorf allerdings nur, weil ich im Internet Zeitung las.<br/>
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Ausserhalb der grossen St&#xE4;dte ist im Alltag von den weltpolitischen Spannungen, die der Atomstaat Pakistan, im W&#xFC;rgegriff der Islamisten, verursacht, nichts zu sp&#xFC;ren. Die Schwierigkeiten des Alltags haben mit Bush und Bin Laden wenig zu tun. Schon eher mit der schwankenden Elektrizit&#xE4;tsversorgung: Ich habe auch in Pakistan Internetanschluss und kann mit der Aussenwelt kommunizieren und Gesch&#xE4;fte abwickeln. Wenn nicht gerade f&#xFC;r ein paar Stunden der Strom ausf&#xE4;llt.<br/>
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Weil ich Urdu und Hindi spreche, bewege ich mich in ganz Pakistan sehr frei. Ich war auch schon in der nord&#xF6;stlichen Gegend von Waziristan unterwegs, an der Grenze zu Afghanistan, eine No-go-Area, weil dort die K&#xE4;mpfer der Taliban und von Al-Kaida das Sagen haben. Gut, ich hatte schon ein mulmiges Gef&#xFC;hl, aber ich musste hin, weil Christen, die dort leben, meinen Rat brauchten. Passiert ist mir gar nichts. Man muss einfach sehen: Die existenzielle Sicherheit ist in einem Land wie Pakistan auf viel tieferem Niveau garantiert. Man k&#xF6;nnte es, sehr salopp, so formulieren: In der Schweiz debattiert man &#xFC;ber die Sterbehilfe, in Pakistan &#xFC;ber die &#xDC;berlebensstrategie. So gesehen kann man, im Vergleich zum Leben in der Schweiz, den Alltag in Pakistan durchaus als permanenten Ausnahmezustand empfinden.<br/>
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Die Macht der Islamisten<br/>
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Nat&#xFC;rlich sind die islamischen Schulen auf dem Land und in den St&#xE4;dten sehr pr&#xE4;sent &#x2013; aber nicht ausschliesslich als die politischen D&#xE4;monen, als die man sie im Westen sieht. Sie sind oft die Einzigen, die etwas f&#xFC;r die Bev&#xF6;lkerung tun, den Leuten so etwas wie Bildung verschaffen. Das &#xF6;ffentliche Schulsystem ist praktisch unbrauchbar, Religionsschulen sind f&#xFC;r die meisten Jugendlichen der einzige Zugang zur Bildung. Fast die H&#xE4;lfte der Pakistaner kann weder lesen noch schreiben, bei den Frauen sind es fast 70 Prozent.<br/>
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Die Leute verstehen nicht, was im Koran steht, sie sind darauf angewiesen, dass ihnen der lokale Imam das erz&#xE4;hlt. Und oft sind auch die religi&#xF6;sen F&#xFC;hrer in Landgemeinden der arabischen Sprache nur knapp m&#xE4;chtig und auf Rangh&#xF6;here angewiesen. So ist dem Religionsmissbrauch T&#xFC;r und Tor ge&#xF6;ffnet. Die Macht der Islamisten fusst nicht auf USA-Hass, sondern auf fehlender Bildung.<br/>
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F&#xFC;r ein Land, in dem Islamisten immer mehr das Sagen haben, ist der leichte und deshalb verp&#xF6;nte amerikanische Lebensstil aber in den St&#xE4;dten erstaunlich pr&#xE4;sent. In Lahore gibt es inzwischen neun Mc-Donald&#x2019;s-Filialen, original Levis-Jeans-Shops und ein Gesch&#xE4;ft, das Porsche-Wagen anbietet. Die Preise in diesen L&#xE4;den sind aber so hoch wie in der Schweiz, die begehrten ausl&#xE4;ndischen Markenprodukte nur f&#xFC;r die absoluten Eliten erschwinglich.<br/>
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Da dringt die Heuchelei an die Oberfl&#xE4;che, die vieles im &#xF6;ffentlichen Leben von Pakistan pr&#xE4;gt und l&#xE4;hmt: Religi&#xF6;se F&#xFC;hrer beschw&#xF6;ren die strenge Einhaltung muslimischer Religiosit&#xE4;t, schicken aber die eigenen Kinder auf amerikanische Eliteschulen, die Kinder der Armen hingegen in den Heiligen Krieg. Die religi&#xF6;sen und s&#xE4;kularen Eliten wollen nicht ausl&#xF6;ffeln, was sie in ihrem Land anrichten.<br/>
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Wahlen als Farce<br/>
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So gesehen betrachte ich auch die Wahlen, die in den n&#xE4;chsten Wochen im Fokus der Welt&#xF6;ffentlichkeit stehen, weit gehend als Farce. Benazir Bhutto, Nawaz Sharif und Pervez Musharraf sind die drei wichtigsten Figuren, die zur Auswahl stehen, und alle stehen unter Korruptionsverdacht. Abgesehen davon ist klar, dass nur pakistanischer Pr&#xE4;sident werden kann, wer den Segen von Washington hat.<br/>
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Nach dem Sturz von Zulfikar Ali Bhutto 1977 baute Zia ul Haq Pakistan zum islamistischen Staat um &#x2013; mit dem Plazet der USA. Sie sahen in den Fundamentalisten ein Bollwerk gegen den Kommunismus auf dem indischen Subkontinent. Heute f&#xFC;hren die USA gegen die Kr&#xE4;fte, die sie damals entfesselt haben, den Krieg gegen den Terror. In dieser Mangel der Weltpolitik wird seit 30 Jahren die Zukunft der Pakistanerinnen Pakistaner zerrieben.<br/>
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Realit&#xE4;ten im Atomstaat<br/>
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Nun, wenn ich genauer hinschaue, sehe ich schon, dass sich Dinge bewegen. Indien und Pakistan sind ja Nachbarn, die grimmig Atomwaffen aufeinander gerichtet haben. Aber im Innern, im Punjab etwa, der durch die Landesgrenze geteilt wird, l&#xE4;uft im Alltag ein reger Grenzverkehr. Das indische Wirtschaftswunder, das weltweit gefeiert wird, entgeht den Pakistani nicht. In kleinen Schritten w&#xE4;chst ein Bewusstsein heran bei den Menschen, ihr Schicksal in die eigenen H&#xE4;nde zu nehmen. Und nicht dem n&#xE4;chstbesten Mullah zu &#xFC;berlassen.<br/>
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Vielleicht tragen auch unsere Projekte einen Mosaikstein dazu bei. Nat&#xFC;rlich stiess ich in meinem Dorf Paran auf grosse Skepsis, als wir ein Internat f&#xFC;r M&#xE4;dchen einrichteten, wo sie einen h&#xF6;heren Schulabschluss machen k&#xF6;nnen und von Freiwilligen aus der Schweiz unterrichtet werden. Ein mehrfaches Sakrileg f&#xFC;r gl&#xE4;ubige Muslime! Aber wir hielten durch, zeigten, dass auch die M&#xE4;nner davon profitieren, wenn die Frauen gebildeter und gl&#xFC;cklicher sind &#x2013; und Gott im Himmel nichts dagegen einzuwenden hat. Inzwischen wird unsere Arbeit weitherum in Pakistan anerkannt, und wir bauen beispielsweise in mehreren Landesteilen Kinderg&#xE4;rten und Gesundheitsprojekte auf.<br/>
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Waffenlieferant Schweiz<br/>
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Ich bin stolz darauf, dass auf dem christlichen Gebetsraum in meinem Dorf Paran weit herum sichtbare Kreuze stehen. Die religi&#xF6;se Toleranz ist so sichtbar und selbstverst&#xE4;ndlich. In der Debatte um die Minarette k&#xF6;nnte sich die Schweiz ein pakistanisches Vorbild nehmen. Zweifellos hilft mir der solide Ruf der Schweiz in meinen Projekten. In Pakistan ist die Schweiz das Land des Friedens und der Neutralit&#xE4;t, dem man vertrauen kann. Dass die Schweiz der pakistanischen Regierung Panzer liefert, ist dort wenig bekannt.<br/>
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Ich sage Ihnen, wenn man in Pakistan lebt, klappt vieles nicht so, wie man das geplant hat. Und schon gar nicht so schnell, wie man will, und oft glaubt man, es gehe &#xFC;berhaupt nicht. Und dann gelingt doch Unm&#xF6;gliches. Das ist vielleicht die Magie des pakistanischen Alltags, und sie zeigt mir: Es gibt Sachen, die muss man einfach versuchen in seinem Leben.<br/>
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Ich bin gl&#xFC;cklich, das tun zu d&#xFC;rfen.&#xBB;<br/>
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Aufgezeichnet: J&#xFC;rg Steiner Der Autor: J&#xFC;rg Steiner (juerg.steiner at bernerzeitung.ch) ist &#xAB;Zeitpunkt&#xBB;-Redaktor.<br/>
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Hier noch das <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/filehandler/http/finanzblog.kaywa.com/files/2007%2012%2027%20von%20BernerZeitung%20hassanbajwa.pdf">pdf-File</a> (gleiches Fenster) mit den Fotos - heute von der BernerZeitung erhlaten. Besten Dank<br/>
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&#xAB;LivingEducation&#xBB;; Bahnhofstrasse 7, 5400 Baden. www.livingeducation.org. - PC 60-223344-6<br/>
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&#xAB;Ich weiss nicht, was Gott vorhat&#xBB;<br/>
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Der fr&#xFC;here <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/exturl/http/www.espace.ch/artikel_462112.html">Nydeggkirchen-Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti</a> blickt zur&#xFC;ck auf 86 Jahre Leben und voraus auf das, was ihm noch bleibt. Ein Gespr&#xE4;ch &#xFC;ber Weihnachten, die rasende Zeit, Blocher und AKWs, Junge und Alte, das Sterben und was danach folgt.<br/>
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1. Weihnachten<br/>
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Herr Marti, was f&#xE4;llt Ihnen zu Weihnachten ein?<br/>
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Kurt Marti: Jemand hat mir erz&#xE4;hlt, er habe im Internet Spr&#xFC;che zu Weihnachten gesucht. Da sei ein Satz von mir erschienen: &#xAB;Die wahre Weihnacht ist nicht die Ware Weihnacht&#xBB;. Ich weiss gar nicht mehr, wo und wann ich das geschrieben habe. Jetzt steht es einfach im Internet.<br/>
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Freuen Sie sich auf Weihnachten?<br/>
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Nicht besonders. F&#xFC;r mich als Christ ist Ostern viel wichtiger. Weihnachten ist ein relativ junges Fest in der Geschichte der Christenheit. Aber Ostern war von Anfang an das grosse Fest, an dem man die Auferstehung von Christus feiert.<br/>
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Was sollten wir an Weihnachten feiern?<br/>
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Gott wird Mensch an Weihnachten. Gott ist also nicht irgendwie abgehoben, sondern k&#xFC;mmert sich um sein Gesch&#xF6;pf Mensch. Ich habe den Inhalt von Weihnachten immer so verstanden: Der Mensch ist das gef&#xE4;hrdetste und experimentellste Gesch&#xF6;pf Gottes. Dieses Experiment droht immer leicht schief herauszukommen. Deshalb ist Gott Mensch geworden. Das ist nicht einfach eine Auszeichnung, sondern eine Art Hilfsaktion von Gott, den Menschen und dadurch die Welt zu retten.<br/>
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Hat der Mensch solche Hilfe derzeit besonders n&#xF6;tig?<br/>
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Er hatte es offenbar schon vor 2000 Jahren n&#xF6;tig. Heute kommt versch&#xE4;rfend hinzu, dass der Mensch die erschreckende F&#xE4;higkeit hat, die Welt kaputt zu machen. Vielleicht hat der Mensch deshalb Beistand n&#xF6;tiger denn je, damit seine Erkenntnis wachse.<br/>
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Sie sind skeptisch, ob diese Erkenntnis w&#xE4;chst?<br/>
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Ich weiss es nicht. Ich bin nicht im Vorzimmer des lieben Gottes. Ich weiss nicht, was er vorhat.<br/>
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Hat Gott nach christlicher Auffassung &#xFC;berhaupt etwas Bestimmtes vor?<br/>
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Wenn man von der Bibel ausgeht, ja. Jesus hat das kommende Reich verk&#xFC;ndet, und das heisst: eine neue Welt, die nicht zerst&#xF6;rerisch ist, sondern lebt von Gerechtigkeit, Solidarit&#xE4;t und Liebe. Das ist, glaube ich, das Projekt Gottes.<br/>
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2. Bilanz<br/>
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Hat Gott auch mit jedem Einzelnen etwas vor? Mit Ihnen?<br/>
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Das kann man nicht wissen. Ich bin alt. Was Gott mit mir vorgehabt hat, ist jetzt passiert. Ich habe als Mensch, als Pfarrer und als Theologe ein erf&#xFC;lltes Leben gehabt. Und ich habe probiert, etwas zu realisieren von dieser Liebe und Solidarit&#xE4;t.<br/>
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Ist es gelungen?<br/>
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In meiner Ehe ist es gl&#xFC;cklicherweise gelungen. Meine verstorbene Frau und ich haben ein erf&#xFC;lltes Zusammenleben gehabt, es war auch sexuell erf&#xFC;llt. Und dar&#xFC;ber hinaus, als Christ und Pfarrer? Es gelingt nie ganz. Ich habe das Gef&#xFC;hl, nicht ganz umsonst gelebt zu haben. Im Grossen und Ganzen ist es besser gelungen, als ich das im Voraus gedacht und gew&#xFC;nscht habe.<br/>
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Sp&#xFC;ren Sie eine Zufriedenheit?<br/>
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Vor allem eine Dankbarkeit.<br/>
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Wof&#xFC;r?<br/>
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Dass es mir m&#xF6;glich war, unter guten Bedingungen zu leben. Stellen Sie sich vor, was in der Welt ringsum die Schweiz alles passiert ist. Was da ganz anders h&#xE4;tte laufen k&#xF6;nnen. Aber wir sind verschont geblieben. Ich wurde 1921 geboren. Ich habe eine richtige Kindheit gehabt. Ich musste erst mit sieben zur Schule, kein Kindergarten, keine Fr&#xFC;heinschulung. Trotz Krieg und Hitler hatte ich noch eine Jugend. F&#xFC;r diese gl&#xFC;cklichen Umst&#xE4;nde kann ich nichts. Aber ich bin daf&#xFC;r dankbar.<br/>
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Kennen Sie dennoch das Gef&#xFC;hl, etwas verpasst zu haben?<br/>
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Als ich jung war, hatte man viel weniger M&#xF6;glichkeiten. Die vielen M&#xF6;glichkeiten, die man heute hat, irritieren vor allem auch. Ich bin froh, dass ich heute nicht mehr jung bin. Meine Enkelkinder haben es schwieriger, bis sie ihren Weg gefunden haben. Ganz einfach hatten wir es auch nicht. Aber die Welt war &#xFC;bersichtlicher. Was es heute alles f&#xFC;r Berufe gibt, das ist ja wahnsinnig. Die Auswahl war kleiner, insofern leichter.<br/>
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Grosse Auswahl ist doch auch ein Vorteil?<br/>
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Junge sind heute vielem ausgesetzt: den Medien, dem Fernsehen, dem Internet. Deshalb k&#xF6;nnen sie &#xFC;ber vieles mitreden. Es ist aber h&#xE4;ufig ein Reden ohne wirklichen Erfahrungshintergrund. Was man nicht weiss, kann man schnell im Internet nachschauen. Ich denke da auch an die Geschichten sexueller &#xDC;bergriffe im Umfeld des FC Thun etwa, in Z&#xFC;rich-Seebach.<br/>
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Was denken Sie dar&#xFC;ber?<br/>
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Dass das auch eine Folge oberfl&#xE4;chlicher Informiertheit ist. Die Jungen werden zwar heute fr&#xFC;her reif, als wir es wurden, aber irgendwie zu fr&#xFC;h, so dass sie die Sexualit&#xE4;t noch kaum bew&#xE4;ltigen k&#xF6;nnen. Dann kann es zu solchen Geschichten kommen. Allerdings: Wir waren fr&#xFC;her auch keine Engel. Aber die soziale Kontrolle hat besser funktioniert. Das hat Nach-, aber auch Vorteile. Die soziale Kontrolle war auch eine Hilfe. Man war enger gehalten, hatte aber Leitplanken. &#xDC;berhaupt war der Respekt vor den &#xC4;lteren und ihrer Erfahrung fr&#xFC;her gr&#xF6;sser.<br/>
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3. Alt und Jung<br/>
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Interessieren sich Junge heute noch f&#xFC;r Ihre Lebenserfahrung?<br/>
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Es passiert hie und da noch, dass J&#xFC;ngere auf mich zukommen,<br/>
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wegen meiner Schriftstellerarbeit. Es ist allerdings schwierig, ihnen zu raten. Ich habe ja nicht den gleichen Erfahrungs- und Erlebnishintergrund wie sie. Es hat mir immer ein wenig widerstanden, Ratschl&#xE4;ge zu geben, Berater zu sein. Ich h&#xE4;tte mich nicht geeignet als Eheberater. Es gibt ja Pfarrer und Psychologen, die Eheberatung machen. Ich konnte eigentlich nur sagen: Ich habe Gl&#xFC;ck gehabt in der Ehe. Das ist aber kein Rezept und keine Hilfe f&#xFC;r andere.<br/>
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K&#xF6;nnen die Jungen die reiche Erfahrung der Alten am Ende gar nicht brauchen?<br/>
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Vielleicht. Es geht alles immer schneller. Ich habe das bei den eigenen Kindern gesehen. Als sie 30-j&#xE4;hrig waren, hatten sie kaum mehr Kontakt zu den 20-J&#xE4;hrigen.<br/>
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4. Internet<br/>
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Das Lebenstempo hat zugenommen?<br/>
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Und wie. Unter anderem durch die modernen Kommunikationsmittel hat sich vieles verschnellert. Durch Computer, Internet, E-Mail. Ich besitze das alles nicht. Ich bin abgeh&#xE4;ngt von dieser ganzen Entwicklung.<br/>
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Sie sagen das mit einem L&#xE4;cheln.<br/>
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Ja. Mir ist das gleichg&#xFC;ltig. F&#xFC;r andere mag es l&#xE4;stig sein, wenn sie mich nicht erreichen. Meine Kinder haben diese Kommunikationsmittel nat&#xFC;rlich.<br/>
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Sie reden dennoch irgendwie fasziniert vom Internet.<br/>
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Ich h&#xF6;re, was da Seltsames oder weniger Seltsames &#xFC;ber mich im Internet steht. Ich weiss gar nicht, wie das funktioniert und wer das einspeist. Ich komme beim Internet einfach nicht nach. Aber habe nicht das Gef&#xFC;hl, ich m&#xFC;sste das jetzt noch in mein Leben integrieren.<br/>
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Zum Internet geh&#xF6;rt die Vorstellung, dass man zu einer Weltdemokratie vernetzt werde. Spricht Sie das nicht an?<br/>
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Ich habe immer versucht, unabh&#xE4;ngig zu bleiben. Zum Beispiel unabh&#xE4;ngig vom Strom. Ich habe bis vor kurzem mit Klinge und Schaum rasiert. Ich war das gew&#xF6;hnt vom Aktivdienst her, wo man nicht damit rechnen konnte, dass es &#xFC;berall einen elektrischen Anschluss gibt. Ich kann auf meiner mechanischen Schreibmaschine weiterschreiben, wenn die grosse Stroml&#xFC;cke kommen w&#xFC;rde. Es ist vielleicht ein illusorisches Gef&#xFC;hl, unabh&#xE4;ngig zu sein. Aber es st&#xF6;rt mich nicht, dass ich von keinem Netz abh&#xE4;nge und so ein St&#xFC;ck weit autonom bin.<br/>
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5. Fussball und Kirche<br/>
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Verstehen Sie als Abgeh&#xE4;ngter die Welt von heute noch?<br/>
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Wer versteht denn die Welt noch? Vieles verstehe ich tats&#xE4;chlich nicht mehr. Es f&#xE4;llt mir gerade ein Beispiel ein. Jetzt haben doch der Kirchenbund und die Bischofskonferenz die geniale Idee gehabt, sich an die Fussball-Europameisterschaft anzuh&#xE4;ngen. Das Motto &#xAB;Die Kirche seit 2008 Jahren am Ball&#xBB; ist schlicht ein Bl&#xF6;dsinn. Es beginnt schon damit, dass dieses Motto gar nicht stimmt. Die Kirche gibt es nicht seit 2008 Jahren. Sie ist erst nach dem Tod von Jesus entstanden.<br/>
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Die Gemeinde der Fussballfans ist schon selber eine Kirche, da braucht es nicht noch die Landeskirche?<br/>
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So ungef&#xE4;hr. Gab es vor 2008 Jahren &#xFC;berhaupt schon B&#xE4;lle? Sicher nicht Fussb&#xE4;lle. &#xAB;Am Ball sein&#xBB;, das ist f&#xFC;r mich eine Anbiederung. Die Kirche soll die Euro geschehen lassen, wie sie ist. Ohne die irrige Hoffnung, mit Grossleinw&#xE4;nden Gl&#xE4;ubige zu gewinnen. Die Kirche ist nicht daf&#xFC;r da, den aktuellen Zeitgeist zu befriedigen. Sie hat einen Auftrag und eine Botschaft, unabh&#xE4;ngig vom Zeitgeist. Es ist eine Botschaft, die in eine jeweilige Zeit hineingerichtet ist. Aber es geht nicht um Anpassung an eine Zeit.<br/>
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&#xAB;2008 Jahre am Ball&#xBB; ist ein Werbespruch, den man nicht ganz f&#xFC;r voll nehmen muss.<br/>
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Ich halte es dennoch f&#xFC;r eine Anbiederung. Heute werden viele Geschichten durch die gr&#xF6;ssere Verbreitung und die Multiplizierbarkeit so penetrant, dass es f&#xFC;r mich aufdringlich wirkt.<br/>
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6. Politik<br/>
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Gilt das auch f&#xFC;r die Politik? Verfolgen Sie sie noch?<br/>
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Ja, Politik besch&#xE4;ftigt und &#xE4;rgert mich weiterhin. Solange man sich &#xE4;rgert, lebt man noch. Ich stimme immer ab. Aber ich verliere meistens.<br/>
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Was denken Sie &#xFC;ber den Ausgang der j&#xFC;ngsten Wahlen?<br/>
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Ich bin besorgt &#xFC;ber den Populismus der nationalkonservativen SVP. Ich muss aber auch lachen, wenn ich im Fernsehen sehe, wie Christoph Blocher mit den Armen in der Luft herumrudert. Er ist eine Art Clown, Ueli Maurer sein Clownpartner. Sie spielen eine Kom&#xF6;die. Ich bin im Grunde genommen ein konservativer Mensch, aber auf eine etwas andere Art als die SVP. Ich m&#xF6;chte andere Werte erhalten als sie. Die Nationalkonservativen finden, nationales Recht breche V&#xF6;lker- und Menschenrecht. Das ist eine fatale Haltung inmitten einer Welt, in der V&#xF6;lker- und Menschenrechte immer wieder verletzt werden.<br/>
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Sehen Sie beim nun abgew&#xE4;hlten Christoph Blocher auch F&#xE4;higkeiten? Er trifft offenbar den Nerv vieler.<br/>
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Er trifft den Nerv nationaler Nostalgiker und derer, die Angst haben vor der Globalisierung. Nat&#xFC;rlich kann er etwas. Er ist ein erfolgreicher Unternehmer. Nur kann man einen Staat nicht auf die gleiche Art managen, wie das ein Firmenchef tut. Eine Firma ist ja keine Demokratie. Blocher ist eine merkw&#xFC;rdige Figur: einerseits weltweit t&#xE4;tiger Unternehmer, andererseits nationalistischer Polterer. Jetzt kann ich ihm nur empfehlen, in Ruhe seine Memoiren zu schreiben. Es verwundert mich &#xFC;brigens, dass niemand Blochers Verh&#xE4;ltnis zur Apartheid in S&#xFC;dafrika untersucht hat. Er war ja ein Verteidiger dieses Unrechtsregimes, das die schwarze Mehrheit unterdr&#xFC;ckte.<br/>
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Interessiert man sich nicht mehr f&#xFC;r die j&#xFC;ngere Vergangenheit?<br/>
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Das Ged&#xE4;chtnis wird vielleicht als Folge der Verschnellerung und Vielfalt der Informationen kurzfristiger. Immer n&#xE4;here Vergangenheit wird immer schneller vergessen.<br/>
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7. Atomkraft<br/>
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L&#xE4;sst Ihr Interesse an der Zukunft nach?<br/>
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Das Interesse an meiner individuellen Zukunft l&#xE4;sst nach. Ich lebe von Woche zu Woche. Um die Zukunft der Welt mache ich mir aber schon Sorgen. Was wir mit der Welt anstellen, wie wir die Natur zerst&#xF6;ren, ist verr&#xFC;ckt. Ich sehe die Zukunft eher apokalyptisch. Immerhin scheint man nun die Klimaproblematik ernstnehmen zu wollen. Aber das in Taten umzusetzen, ist ungeheuer schwer. Man traut sich ja kaum, den Autoverkehr einzuschr&#xE4;nken. Jetzt stehen wir vor dem Dilemma, dass man zur CO2-Reduktion wieder Atomkraftwerke bauen will. Nun war ich schon immer gegen AKWs und bin noch heute der Meinung, dass wir auf einer Zeitbombe sitzen. Wir wissen, was ein Unfall, etwa im nahen M&#xFC;hleberg, bedeuten w&#xFC;rde.<br/>
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Was f&#xFC;r eine Alternative zu neuen Atomkraftwerken schlagen Sie vor?<br/>
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Ich will nicht von der Zuschauertrib&#xFC;ne herunter alles besser wissen. Und es stimmt, dass es auch mit unserer Energiesparbereitschaft nicht sehr weit her ist. Deshalb kommen wir vielleicht wieder auf meine mechanische Schreibmaschine zur&#xFC;ck.<br/>
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Hatten Sie ein Auto?<br/>
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Ich brauchte keins. Ich konnte alles mit dem Velo erreichen.<br/>
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Wann sind Sie zum letzten Mal Velo gefahren?<br/>
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Das weiss ich gar nicht. Vor 20 Jahren vielleicht?<br/>
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8. Sterben<br/>
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Realisierten Sie das bewusst als Abschied von einer gewissen Bewegungsfreiheit?<br/>
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Von gewissen Dingen nimmt man schon bewusst Abschied, weil man Angst bekommt, keine Kraft mehr hat. Dieses st&#xE4;ndige Abschiednehmen geh&#xF6;rt zum &#xC4;lterwerden. Und es ist gar nicht mit viel Wehmut verbunden.<br/>
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Nicht?<br/>
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Ach, das ist ja alles nichts gegen den Abschied von meiner Frau, die vor zwei Monaten gestorben ist. Das ist schlimm, das ist hart. Wenn man 58 Jahre zusammen gelebt hat und einer pl&#xF6;tzlich nicht mehr da ist. Sie ist hier in diesem Zimmer, in dem ich jetzt wohne, krank gewesen und am 17. Oktober gestorben. Ich war in ihrer N&#xE4;he, bis zuletzt.<br/>
<br/>
Wie nimmt man von der allern&#xE4;chsten Person Abschied?<br/>
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Der Abschied begann schon damit, dass wir beide eine Patientenverf&#xFC;gung hatten, die festh&#xE4;lt, dass wir beide keine lebensverl&#xE4;ngernden Massnahmen wollen. Ich sage dem: sterbensverl&#xE4;ngernde Massnahmen. Ich habe meine Frau beim Sterben begleitet. Mit dem Rollstuhl, der dort an der Wand steht, konnten wir zuerst noch in der Elfenau spazieren. Dann ging auch das nicht mehr, und sie wurde bettl&#xE4;gerig. Weil ich immer bei ihr war, konnte ich mit ihr reden, solange sie reden konnte. Ich habe dann auch mit ihr geredet, als sie nicht mehr reden konnte. Am Schluss ging es ziemlich rasch. Zuerst konnte sie nicht mehr reden, dann nicht mehr essen, dann nicht mehr trinken und schlucken. Ich sah: Diese Flamme erl&#xF6;scht nun. Ihr Todestag war eigentlich sch&#xF6;n.<br/>
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Warum?<br/>
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Der Sohn aus Z&#xFC;rich kam am sp&#xE4;ten Nachmittag und sagte Lebewohl. Bei einem anderen Sohn spielte die Weltgeschichte in die pers&#xF6;nliche Geschichte rein. Er war in Frankreich in den Ferien, und er h&#xF6;rte, dass ein Bahnstreik angek&#xFC;ndigt wurde. Er traf verfr&#xFC;ht in Bern ein und kam direkt hierher. Es war, als ob meine Frau mit dem Sterben noch gewartet h&#xE4;tte. Eine Viertelstunde sp&#xE4;ter ist sie gestorben. Wir alle waren bei ihr. Und w&#xE4;hrend sie starb, war draussen vor diesem Fenster ein prachtvoller Sonnenuntergang.<br/>
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Der Schriftsteller Elias Canetti hatte einen Zorn auf den Tod und nannte ihn den gr&#xF6;ssten Feind der Menschen. Haben Sie diesen Zorn auch?<br/>
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Das steht sogar in der Bibel: Der Tod ist der letzte Feind, der besiegt werden muss. Ich sp&#xFC;rte keinen Zorn auf den Tod meiner Frau. F&#xFC;r sie war es eine Erl&#xF6;sung. Sie war so krank und hilflos. Es ist ja eine wahnsinnige Dem&#xFC;tigung, was man da &#xFC;ber sich ergehen lassen muss. Der franz&#xF6;sische Pr&#xE4;sident Charles de Gaulles hat gesagt: &#xAB;Das Alter ist ein Schiffbruch.&#xBB; So erlebt man es.<br/>
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F&#xFC;hlen Sie sich von Ihrer Frau verlassen?<br/>
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Ja schon. Wir stritten uns vorher ab und zu und sagten uns gegenseitig: Du stirbst dann bitte nicht vor mir. Ich sagte: Eine Frau kommt bekanntlich allein besser zurecht als ein Mann. Das hat sie bestritten. Sie sagte: Du kannst ja wieder heiraten. Da war sie sehr grossz&#xFC;gig.<br/>
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Und wie kommt der Mann Kurt Marti nun allein zurecht?<br/>
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Indem ich vorderhand hier versorgt bin, wo ich gesund zu essen bekomme. Ich lebe jetzt in einem Provisorium. Ich bin nirgendwo richtig zuhause, weder hier noch in meinem Haus, wo meine Frau nicht mehr da ist. Ich weiss noch nicht, wie es weitergeht und was ich bezahlen kann.<br/>
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9. Hoffnung<br/>
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Sie sagten, Sie w&#xFC;rden von Woche zu Woche leben. Denken Sie noch so: &#xAB;In f&#xFC;nf Jahren werde ich....?&#xBB;<br/>
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Es ist manchmal eine Beruhigung, wenn man sich sagen kann: In f&#xFC;nf Jahren bis du vielleicht gar nicht mehr da.<br/>
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Haben Sie noch Hoffnung?<br/>
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Ja. Dass ich noch Kraft habe, solange ich noch da bin. Und dass ich dann sanft und friedlich sterben kann.<br/>
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Wovor haben Sie noch Angst?<br/>
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Der Tod ist kein Problem. Man ist dann einfach tot. Aber das Sterben vorher, das macht einem schon Sorgen.<br/>
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Verdr&#xE4;ngt die Angst vor dem Sterben alle anderen &#xC4;ngste?<br/>
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Nein, nein. Man kann nicht immer an den Tod denken. Ich habe immer noch Freude an diesem Bisschen Leben, das ich noch habe.<br/>
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Was bringt Sie heutzutage noch zum Lachen?<br/>
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Letzthin musste ich lachen &#xFC;ber dieses Foto des Jahres mit den Nackten auf dem Aletschgletscher. Die Art dieser Demonstration am&#xFC;sierte mich.<br/>
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10. Leben nach dem Tod<br/>
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Sie sagten, wenn man tot ist, ist man tot. Glauben Sie als Christ und Pfarrer nicht an ein Weiterleben nach dem Tod?<br/>
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Ich weiss doch nicht, was nachher kommt. Das &#xFC;berlasse ich Gott. Ich geh&#xF6;re nicht zu denen, die offenbar wissen, was nachher passiert. Ich hatte ein so erf&#xFC;lltes Leben, dass ich es nicht n&#xF6;tig habe, mir da noch etwas auszumalen. Ich warte, ob da was ist oder ob da nichts ist. So oder so, ich vertraue darauf, dass es von Gott gewollt und deshalb gut sein wird. Ich weiss ja auch gar nicht, wie das ist, wenn alles aufh&#xF6;rt.<br/>
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M&#xF6;chten Sie es denn wissen?<br/>
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Diese Frage besch&#xE4;ftigt mich nicht heftig. Auch nicht als Christ. Der biblische Glaube orientiert sich nicht an einem Leben nach dem Tod. Das tun andere Religionen wie der Hinduismus. Im neuen Testament gibt es ein paar Auferweckungen vom Tod. Aber auff&#xE4;llig ist, dass die Auferweckten und auch der auferstandene Jesus kein Wort erz&#xE4;hlen &#xFC;ber das so genannte Jenseits. Es gibt nur ein grosses Schweigen &#xFC;ber den Tod.<br/>
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Was halten Sie von der Sterbeforschung?<br/>
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Da geht es doch bloss um Vortodeserfahrungen. Meine Frau war nach einer Herzoperation nah am Tod. Sie erz&#xE4;hlte, sie habe ein Licht gesehen, habe aber nicht gewusst, dass sie nah am Tod sei. Soll man dieses Licht jetzt schon als das Licht des Jenseits bezeichnen? Das ist einfach vorschnell. Jesus schickte nach seiner Auferstehung die J&#xFC;nger mit irdischen Auftr&#xE4;gen nach Jerusalem. Das ist die Perspektive der Bibel. Nicht der Blick ins Jenseits. Ich nehme an, dass Gott nach dem Tod etwas macht. Vielleicht etwas ganz anderes, als wir uns das vorstellen k&#xF6;nnen.<br/>
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11.Schreiben und Lesen<br/>
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Wir reden vom Verstummen. Schreiben Sie noch?<br/>
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Es ist noch ein Buch von mir in der Pipeline des Nagel&#38;Kimche-Verlags, das im n&#xE4;chsten Sommer erscheinen soll. Es ist ein St&#xFC;ck Memoiren &#xFC;ber meine Jahre 1928 bis 1948, die ich in dritter Person schreibe. 1928 kam ich in die erste Klasse, 1948 wurde ich zum Pfarrer ordiniert, und dazwischen lag eine verr&#xFC;ckte Zeit. Das Buch heisst &#xAB;Ein Topf voll Zeit&#xBB;.<br/>
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Sie schreiben noch und best&#xE4;tigen also den Satz, dass man als Schriftsteller nie pensioniert wird?<br/>
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Ich mache das jetzt einfach noch fertig. Aber am Vorwort laboriere ich enorm herum. Man wird, glaube ich, im Alter selbstkritischer. Unbeschwertheit und Frechheit fehlen einem.<br/>
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Lesen Sie noch?<br/>
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Ja. Zur Ablenkung habe ich eine Biografie gelesen &#xFC;ber den Schriftsteller Ernst J&#xFC;nger.<br/>
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Lesen Sie auch noch Romane?<br/>
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Nein, das interessiert mich nicht.<br/>
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Warum nicht?<br/>
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Ich habe selber genug Leben, was soll ich da mit erz&#xE4;hltem Leben? Meine Frau und ich haben ein anderes Verh&#xE4;ltnis entwickelt zur Literatur: Wir haben, auch zum Ged&#xE4;chtnistraining, Gedichte auswendig gelernt. Zum Beispiel das &#xAB;Abendlied&#xBB; von Matthias Claudius. Sie kennen es vielleicht: &#xAB;Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen, am Himmel hell und klar&#x2026;<br/>
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... der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget, der weisse Nebel wunderbar.&#xBB; Aber die anderen Strophen kann ich nicht.<br/>
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Meiner Frau und mir war das Lied sehr lieb. Damit wir nicht immer nachschlagen mussten, haben wir es auswendig gelernt. Man hat einen Text dann bei sich, er bleibt bei einem, bis zuletzt. Als meine Frau kaum mehr reden konnte, habe ich manchmal das &#xAB;Abendlied&#xBB; begonnen, und sie fuhrt fort, so gut sie noch konnte. Sie wusste den Text noch, auch in ihrem Elend. Wir stellten so Kontakt her. Ich schaue &#xF6;fter, ob ich das &#xAB;Abendlied&#xBB; noch auswendig kann.<br/>
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In meinem Kopf ist ein Durcheinander gelesener B&#xFC;cher.<br/>
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Lernen Sie Gedichte auswendig! Gedichte sind k&#xFC;rzer und begleiten einem intensiver als komplizierte Handlungen. Und ich halte mich an kurze Gedichte, weil ich nicht weiss, wie lange ich noch lesen kann. Meine Augen sind krank. Hoffentlich sterbe ich, bevor ich erblinde.<br/>
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Das ist ein Satz &#xFC;ber das Sterben, der sich hart anh&#xF6;rt.<br/>
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Sie sind zu jung, um sich jetzt schon Sorgen &#xFC;ber das Sterben zu machen.<br/>
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Interview:Stefan von Bergen Der Autor: Stefan von Bergen (stefan. vonbergen at bernerzeitung.ch) ist &#xAB;Zeitpunkt&#xBB;-Leiter.<br/>
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Hier noch das <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/filehandler/http/finanzblog.kaywa.com/files/2007%2012%2027%20von%20BernerZeitung%20marti%20kurt%201.pdf">pdf-File 1</a> - <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/filehandler/http/finanzblog.kaywa.com/files/2007%2012%2027%20von%20BernerZeitung%20marti%20kurt%202.pdf">pdf-File 2</a> - <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/filehandler/http/finanzblog.kaywa.com/files/2007%2012%2027%20von%20BernerZeitung%20marti%20kurt%203.pdf">pdf-File 3</a> (jeweils gleiches Fenster) mit den Fotos - die mir heute von der BernerZeitung zur Verf&#xFC;gung gestellt wurden - Besten Dank.<br/>
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[<a href="http://finanzblog.kaywa.com/files/images/2007/12/30/mob885_1198665191.gif">bild</a>]<br/>
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... Nydeggkirche Bern ...<br/>
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Einen Schluss Satz aus der Berner Zeitung von heute:<br/>
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&#xAB;Sinnvoller w&#xE4;re es, etwa aus der Kappeler Milchsuppe des 16.Jahrhunderts einen Brauch zu machen. Denn wer gemeinsam isst, vergisst seine Feindseligkeiten schnell. So was h&#xE4;tte die Schweiz n&#xF6;tig.&#xBB;<br/>
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Vielleicht gar wie libref. mit der <a href="http://libref.kaywa.ch/mobile/02-kappeler-milchsuppe/index.html">2. Kappeler Milchsuppe</a>. &#xDC;ber Pasqual Couchepin, der diesen Satz sagte, handelt der <a href="http://libref.kaywa.ch/mobile/03-lesenswertes/rueckkehr-des-religioesen.html">erste Blogbeitrag von libref.</a>
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[<a href="http://finanzblog.kaywa.com/files/images/2007/12/30/mob886_1198665224.gif">bild</a>]<br/>
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Weiter zum <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/filehandler/http/finanzblog.kaywa.com/files/sbp%20Adventskalender%20Vorlage%20Tag%2027.pps">Adventskalender 27</a><br/>
Der Adventskalender darf ins eigene Blog gestellt werden - hier das <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/filehandler/http/finanzblog.kaywa.com/files/sbp%20Code%202_8.doc">Word Dokument 27</a> ( html)<br/>
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Zusammenstellung, Fotos und Koordination: <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/exturl/http/www.martipartner.com">Stephan Marti</a> - <a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile">Finanzblog</a>&#xA0;</p><p><small><a href="http://finanzblog.kaywa.com/mobile/p820.html">Kommentare</a>&#xA0;(0)
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