Die Schweizer bauen perfekt und teuer. Die Franzosen den Umständen entsprechend von günstig bis hin zum faszinierenden Weltrekord von 343 Meter hohen Brücken.

Wer in der Schweiz baut, ganz besonders wenn von der öffentlichen Hand gebaut wird, hält sich an das oberste Credo: «nur beste Qualität ist gut genug.»»

Frankreich ist viel grösser, also darf man ruhig zwei verschiedene Qualitätsstandards haben. Die meistverwendete Qualitätsstufe schildere ich an der Stützmauer meiner Nachbarin Noël. Und etwas «Weihnachten» scheint sie schon zu haben, dass nach vier Jahren diese an die drei Meter hohe Mauer immer noch dem Hangdruck widersteht.


Die andere Bauart ... Juli 2004 - Blick bis zum Restaurant hinunter
Gebaut wurde sie an einem Nachmittag mit Hilfe eines Universalbaggers, dessen Farben irgendwo im Rostspektrum anzusiedeln sind. Es geht auch ohne Rost, denn dieser ist qualitätsmindernd. Zugegeben, als Langenthaler ist man mit schön aussehenden Baufahrzeugen verwöhnt – auch mit Maschinen aus Frankreich. Rost hin oder her, der französische Bagger bei uns hatte einen Betonmischeraufsatz – ein drehendes Fass. Damit fuhr er in den Sandhaufen, wie mit einer Schaufel, dazu kam ein aufgeschlitzter Sack Zement und ein Kübel Wasser. Dann wurde 10 Meter gefahren und der Aufsatz gedreht – mit System Waschmaschine nicht ganz unähnlich. In die Verschalung rein – ohne zu Stampfen oder zu Vibrieren, da das Eigengewicht von drei Meter genügend Druck hat. Und zwischendurch mal ein neuer Lastwagen mit Sand.

Kaum zu glauben, Normen hin oder her, das Ding steht und die Papiersäcke wurden gleich mitentsorgt. Auch ohne Eisen. Wir Schweizer sind da schon anders. Weil unser Luftschutzkeller (so ein Relikt aus der kalten Kriegszeit) einen Meter aus dem Boden schaut, musste nochmals ein Meter, abgesichert mit Mauer drum. Einige Reihen Löffelsteine à 52 kg und darunter ein Fundament – mit Eisen versteht sich. Ein Traum, der ewig hält. Vielleicht ein Alptraum, der fast nicht mehr zu beseitigen ist.

Nun die zweite Bau-Qualitätsstufe in Frankreich:



... Viadukt von Millau von einem Restaurant am Tarn aus, ohne Gaullt Millaut Auszeichnung. Aber ausgezeichnet gekocht und ich gehe wieder mal hin, nur um zu schauen, ob die vor vier Monaten eröffnete Autobahn-Brücke hält.

Stellen sie sich 3,5 mal das Berner Münster oder mehr als zwei mal das Münster zu Ulm, die höchste Kirche der Welt, aufeinandergeschichtet vor – 343 Meter hoch.

Die Brücke wird halten, die Societé Eiffage baut und garantiert – die Mauer meiner Nachbarin auch. Die in der Schweiz hoffentlich auch, denn unsere hohen Qualitätsstandards überraschen zuweilen. Kennen sie in der Schweiz einen Bahn- oder Strassentunnel, der beim Bau in den letzten 20 Jahren nicht mindestens einmal irgendwo eingestürzt ist? Aber keine Angst, die Baukosten und Bauzeiten bei uns so viel höher und länger, dass unsere Bauwerke während der extrem kürzeren Garantiezeiten sicherlich halten.